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Klimawandel bedroht Kinderrechte

Die größten Verursacher des Klimawandels sind die Industriestaaten, aber die Folgen bekommen vor allem die Entwicklungsländerzu spüren. Sie können sich kaum vor Überschwemmungen und Dürrewellen schützen. Dabei sind besonders diejenigen hart betroffen, die am wenigsten Verantwortung tragen: Kinder in Entwicklungsländern. Ihnen drohen Hunger und Krankheiten, oft gefährden die Folgen des veränderten Klimas die Lebensgrundlagen ganzer Familien.

Überschwemmung Bangladesch 2007 (2680/AH)Überschwemmung in Bangladesch. Foto: Kindernothilfe-Partner

Eine Studie aus Uganda belegt, dass wirtschaftliche Not z.B. das Problem früher Heirat verschärft. In Dürreperioden verheiraten Familien ihre minderjährigen Töchter, um die Anzahl der zu ernährenden Familienmitglieder zu reduzieren und mit Hilfe des Brautpreises die übrigen Kinder durchzubringen.

Gegenwärtig werden jedes Jahr schätzungsweise 250 Millionen Menschen Opfer von Naturkatastrophen. Bedingt durch den Klimawandel rechnen Experten bis zum Jahr 2016 mit einem weiteren Anstieg auf 350 Millionen Betroffene jährlich. Allein 175 Millionen davon werden Kinder sein. Der Großteil von ihnen lebt in Armut.

Ökologie und Kinderrechte
Der Begriff „Ökologische Kinderrechte" hat mittlerweile Eingang in die gesellschaftspolitische Diskussion um Kinderrechte gefunden. Die National Coalition, ein Bündnis von über 100 Organisationen, die sich in Deutschland für die Umsetzung der UN-Kinderrechtskonvention einsetzen, definiert den Begriff als: „Recht eines jeden Kindes auf dieser Welt, in einer intakten Umwelt aufzuwachsen, ein gesundes Leben zu führen und positive Zukunftsperspektiven zu entwickeln".
Im Grundgesetz sind ökologische Kinderrechte bereits indirekt verankert. Artikel 20a des Grundgesetzes legt den „Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen in Verantwortung für die zukünftigen Generationen" fest.

In der UN-Kinderrechtskonvention werden ökologische Kinderrechte nicht explizit erwähnt, dennoch lassen sich aus einigen Artikeln der Konvention ökologische Rechte für Kinder ableiten. Dazu gehören unter anderem der Artikel 6: „Das Recht jeden Kindes auf Leben", der Artikel 24 „das Recht jeden Kindes auf das höchstmögliche Maß an Gesundheit"
und der Artikel 27 „das Recht jeden Kindes auf angemessene Lebensbedingungen".

Überschwemmung Indoensien/ AcehÜberschwemmung in Aceh/Indonesien. Foto: Christian Jung Wie der Klimawandel das Leben der Kinder bedroht und ihre Rechte verletzt
Sollen die genannten Grundsätze und Rechte verwirklicht werden, so erfordert dies nachhaltige gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Veränderungen. Dieses vor allem angesichts des Klimawandels und dessen Folgen gerade auch für Kinder, denn in vielfältiger Weise bedroht der Klimawandel Kinderrechte:

Was tut die Kindernothilfe?
In der praktischen Arbeit der Kindernothilfe werden die Zusammenhänge zwischen Umweltzerstörung/Klimawandel und Kinderrechten bereits aufgegriffen. Die Grundlage hierfür ist im Strategischen Rahmen der Kindernothilfe angelegt: Die Kindernothilfe "arbeitet zusammen mit Kindern und Erwachsenen daran, die Welt durch Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung zu verändern."

In ihrer Lobbyarbeit setzt sich die Kindernothilfe als Mitglied der Klima-Allianz für eine nachhaltige Klimapolitik ein. Eine zentrale Forderung: Klima- und Energiepolitik müssen zum Bestandteil der Entwicklungspolitik werden. Nur so können die Überwindung der Armut, die Millenniums-Entwicklungsziele und die Stabilisierung unseres Klimas erreicht werden. Die Kindernothilfe und ihre Partner berücksichtigen auch in ihren Projekten die Herausforderungen durch den Klimawandel. So sind inzwischen zahlreiche Schüler-Wohnheime im Süden Bangladeschs auch als Notunterkünfte bei Überschwemmungen, wie der im Jahr 2007, nutzbar. Für 2008 plant die Kindernothilfe mit einer Partnerorganisation in Bangladesch, dem Christian Ministry for Children and Youth, ein Gemeinwesen-Projekt für Kinder und ihre Familien. In Selbsthilfegruppen beginnen die Menschen gemeinsam, ihre Lebensumstände zu verbessern. In Workshops lernen die Teilnehmer Verhalten bei drohenden Überschwemmungen und sie erfahren, wie sie trotz versalzter Reisfelder ihren Lebensunterhalt verdienen können.

In Ruanda kochen heute tausende von Frauen aus Selbsthilfe-Gruppen auf einfachen Energie-Spar-Öfen. Das spart nicht nur Energie, es verhindert auch weitere Abholzung von Bäumen. Außerdem schadet der Rauch offener Feuerstellen der Gesundheit: Jedes Jahr sterben laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) rund zwei Millionen Menschen in Entwicklungsländern, weil sie ständig den Qualm herkömmlicher Kochstellen einatmen.

10040_270x202_1280x960_0x0Ausstellung der "Hüter der Bäume". Foto: Jürgen Schübelin Im Hochland Boliviens in Tacopaya engagieren sich 1.650 Kinder und Jugendliche als „Sach'a q'ahuadores" -Hüter der Bäume - für Aufforstungen und gegen Erosion. In den meisten der 25 Dörfer sind Kinder- und Jugendgruppen für die Baumschulen verantwortlich. Durch den Erfolg ihrer Arbeit haben sie den Respekt der Erwachsenen gewonnen: Delegierte der „Sach'a q'ahuadores" nehmen inzwischen an den Beratungen der Dorfgemeinschaft teil. Kinder und Jugendliche wie in Tacopaya mit einzubeziehen, ist ein zentraler Bestandteil der Kindernothilfe-Arbeit - und auch beim Thema Klimawandel von großer Bedeutung.

Ansprechpartnerin:
Petra Stephan
Referat Bildung und Öffentlichkeit
Tel.: 0203/7789-185
E-Mail: petra.stephan@knh.de


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