Das Volk der Bhil ist überJahrhunderte hinweg aus seiner Heimat in entlegene Landesteile vertrieben worden. Dort versuchen sie, den ausgelaugten Böden das Lebensnotwendigste abzuringen. Ihre Existenz hängt von der jährlichen Regenzeit ab. Aber mittlerweile reicht das Wasser reicht nicht mehr, um genug zum Überleben zu ernten. In acht Dörfern im bundesstaat Gujarat wurde durch ein Programm zum Watershed Management (Wassereinzugsgebiets-Management) ein Gebiet von über 2.500 ha dauerhaft für die Landwirtschaft nutzbar gemacht. Dies sichert die Lebensgrundlage von rund 3.000 Familien.

Foto: Gerd Klasen
Die Bhil sind das drittgrößte Volk Indiens. Sie leben vor allem von der Landwirtschaft. Durch die Verknappung natürlicher Ressourcen vor allem Wasser und landwirtschaftlich nutzbarer Flächen ist ihre Lebensgrundlage stark beeinträchtigt. An den abgeholzten Berghängen können die jährlichen Monsunregenfälle die fruchtbare Erde ungehindert wegschwemmen. Zudem ist der Monsun als Folge der weltweiten Klimaveränderung immer unzuverlässiger geworden. Er setzt erst sehr spät ein und ist nicht ergiebig genug.
Unterstützung durch die deutsche Bundesregierung
Kindernothilfe-Mitarbeiterin Veronika Schwanz besuchte das Projektgebiet vor einigen Jahren. Sie ging auch zur deutschen Botschaft und bat dort um Unterstützung. Die Bhil werden von der indischen Regierung als rückständiges Volks bezeichnet. Sie wurden aus ihrem Siedlungsgebiet in entlegene Landesteile vertrieben. Dort versuchen sie, den ausgelaugten Böden das Lebensnotwendigste abzuringen. Ihre Existenz hängt von der jährlichen Regenzeit ab. Aber die kommt immer später oder fällt kürzer aus. Während der Trockenzeit wandern die Menschen in die Städte und arbeiten auf Baustellen. Auch Kinder sind dort, zum Beispiel zum Schleppen von Steinen. Ein regelmäßiger Schulbesuch ist nicht möglich. Mit der Bundesregierung entschließt sich die Kindernothilfe 2007, das Projekt zu fördern. Die Menschen sollen sich eine ökologisch nachhaltige Lebensgrundlage schaffen und ein eigenverantwortliches Leben für sich und ihre Kinder aufbauen.

Foto: Kindernothilfe-Partner
Erste Erfolge nach zwei Jahren
Zwei Jahre später kann Veronika Schwanz erste Erfolge begutachten: Während der Trockenzeit haben die Bauern kleine Wälle an ihren Feldern aufgeschüttet und Dämme an den Flüssen gebaut. Die wurden von den Ingenieuren des Projekts so geplant, dass das Wasser gestaut und zurückgehalten wird. Sie haben an den Hängen aufgeforstet und Wasserrückhaltebecken errichtet, die in der Trockenzeit noch Wasser für die Landwirtschaft und Tiere haben werden. Eine Konsequenz: Die Menschen bleiben während Dürreperioden in ihren Dörfern, da sie für ihre Arbeit vom Projekt bezahlt werden. Neue Methoden des Ackerbaus, welche die Bhil durch Fortbildungen erlernt haben, haben sie beim Einsetzen des Regens eingesetzt und Fruchtbäume gepflanzt. Ein Junge aus der Dorfschule erzählt: „Meine Familie ist nicht weggegangen, und wir konnten während der Trockenzeit in die Schule gehen." Dabei strahlt er.

Foto: Britta Adler
Engagierte Frauengruppen
Eindrückliche Begegnungen erlebt Veronika Schwanz mit den Frauengruppen, die sich in Selbsthilfegruppen organisieren und treibender Faktor im Projekt sind. Die Frauen sparen Beträge an, die sie untereinander als Kleinstkredite vergeben. Eine Frau berichtet: „Vor einem Jahr habe ich mich nicht getraut, einem fremden Menschen ins Gesicht zu sehen. Aber jetzt habe ich mir mit dem Kredit der Frauengruppe eine Maismühle gekauft, in der ich den Mais für die Nachbarinnen mahle und meine Familie mit Einkommen versorgt. Ich zahle meinen Kredit zurück; bald bin ich schuldenfrei." Eine andere Frau erzählt, dass sie sich jetzt traue, in der Stadt bei den Behörden ihre Rechte einzufordern, im Krankenhaus, auf der Bank oder beim Landwirtschaftsamt. Vorher wagte sie dies nicht, denn die Beamten haben sie nicht beachtet oder erwarteten hohe Bestechungsgelder. „Jetzt haben die Beamten Angst, dass wir morgen mit 20 und übermorgen mit 200 Frauen vor der Behörde stehen und unsere Rechte einfordern."
Schulungen durch staatliche Landwirtschaftsberater
Mittlerweile kommen auch die staatlichen Landwirtschaftsberater ins Dorf. Sie erklären den Bewohnern eine neue Art der Kompostierung, die Nährstoffe für die Böden erzeugt. Gleichzeitig verbessert sich die Hygiene in den Dörfern, da Abfälle kompostiert werden. Ein weiterer Erfolg: Durch die Zusammenarbeit mit einem Regierungsprogramm haben arme Familien jetzt die Chance, Wasserbüffel zur Milcherzeugung zu kaufen.
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